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Thomas-Messe – Was ist das ?

"Thomas, der Zweifler". Der "ungläubige" Thomas. Nach dieser Gestalt aus der Bibel ist die Thomasmesse benannt: Der Jünger Jesu, der nur glauben kann, was er selbst gesehen und gefühlt hat, der seine Finger in die Wunde legen will. Die Thomas-Messe wendet sich an Menschen, die die Frage nach Gott noch nicht abgehakt haben und auf der Suche sind. Sie bietet neue Möglichkeiten, Gott zu erfahren. Die festen Bestandteile der Thomas-Messe - Musik, Gebet, Bibeltext, Predigt und Abendmahl - werden ganz unterschiedlich gestaltet. Sie laden ein zu einem lebendigen Gespräch in der Kirche. Während der "Offenen Phase" gibt es vielfältige Angebote: Kerzen anzünden, Fürbitten aufschreiben, zur Klagemauer gehen, sich segnen und salben lassen, den Predigtdialog fortsetzen, Tee trinken und miteinander reden, im Raum der Stille verweilen, Texte lesen und mitnehmen. Niemand muss alles mitmachen. Wer die Thomas-Messe besucht, kann auch sitzen bleiben und einfach zusehen. Die Gestaltung der Thomas-Messe liegt in der Hand von Menschen, die sich mit ihren Ideen und Begabungen einbringen. Deshalb ist die Vorbereitungsgruppe offen für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bildet sich für jede Thomas-Messe neu.

Thomas-Messe in Deutschland

Die erste Thomas-Messe in Deutschland fand 1993 statt. Vorausgegangen war eine Tagung im Gemeindekolleg der VELKD, auf der die Thomas-Messe von Mitgliedern der Thomas-Messen-Initiative Helsinki vorgestellt wurde. Inzwischen hat sich die Thomas-Messe in ganz Deutschland verbreitet. In mehr als vierzig Orten wird dieser Gottesdienst gefeiert. Die Intervalle sind dabei an den einzelnen Orten unterschiedlich. Sie reichen von einmal monatlich bis zu dreimal jährlich.

Zwei Grundfragen standen auch in Deutschland am Anfang der „Bewegung Thomas-Messe“: „Wie müsste ein Gottesdienst aussehen, zu dem ich meine kirchenfernen Freunde mitnehmen würde?“ und: „Was ist meine Gabe, die ich in den Gottesdienst einbringen kann?“ Beide Fragen weisen auf zwei wesentliche Kennzeichen der Thomas-Messe hin:

* Die Thomas-Messe will ein Gottesdienst sein, der Menschen wieder oder neu einen Zugang zum Gottesdienst eröffnet.

* Und die Thomas-Messe lebt von der Vorbereitung und Gestaltung durch eine Gruppe, in der Ehren- und Hauptamtliche „auf Augenhöhe“ gleichberechtigt zusammenarbeiten. Die erste Voraussetzung für die Feier einer Thomas-Messe ist immer ein interessierter Trägerkreis von Personen, die sich miteinander auf den Weg zu ihrer (ersten) Thomas-Messe machen und dabei die Bereitschaft mitbringen, einen gabenorientierten Prozess zuzulassen.

Dabei wird der Gottesdienst nicht sozusagen „neu erfunden“ – die Grundstruktur des christlichen Gottesdienstes wird insgesamt beibehalten. Die Thomas-Messe unternimmt „nur“ den Versuch, den Gottesdienst bewusst so zu gestalten, dass die realen Lebenssituationen heutiger Menschen und die Schätze der christlichen Glaubenswelt mit ihrer Tradition sich begegnen.

Das geschieht vor allem dadurch, dass es (vor oder nach dem Verkündigungsteil) in der Thomas-Messe eine „Offene (Gebets-)Zeit“ von ca. 20 Minuten gibt, in der die Menschen eingeladen werden, sich in dem dafür ausgestalteten Kirchenraum zu bewegen und auf die ihnen jeweils angemessene Art und Weise aktiv am Gottesdienstgeschehen zu beteiligen: zusätzlich zum Hauptaltar werden je nach Möglichkeit mehrere Stationen („Seitenaltäre“) aufgebaut, die zur Besinnung und zum Gebet einladen. Diese Orte werden jeweils bezogen auf das Thema der einzelnen Thomas-Messe gestaltet. Wer will, kann ein Gebetsanliegen aufschreiben. Ausgewählte Fürbitten werden dann im Gottesdienst verlesen. Es gibt die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden und dabei ein stilles Gebet zu sprechen.

Ein fester Bestandteil dieser Offenen Zeit ist das Angebot der persönlichen Segnung und Salbung. Hier berührt sich diese Gottesdienstform mit der (in der evangelischen Kirche wieder neu entdeckten) Tradition der Salbungsgottesdienste.

Wichtig ist, dass in dieser Phase der Beteiligung jede/r das für sich stimmige Maß von Distanz und Nähe selbst bestimmen kann: man kann als „aktiver Zuschauer“ an seinem Platz sitzen bleiben oder aufbrechen und sich beteiligen – bis hin zur dichtesten Form der Berührung bei der persönlichen Segnung und Salbung.

Das grundlegende Konzept

Ein tragendes Element der Thomas-Messe ist die Musik. Meistens findet sich eine Ansinge-Gruppe, die den gemeinsamen Gesang unterstützend anleitet. Dies ist besonders für ungeübte Besucher des Gottesdienstes wichtig. Die musikalische Spannbreite umfasst ein weites Spektrum: es finden sich Kirchentagslieder wie Taizé-Gesänge, aber auch das „normale“ Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch. Hier hat jede Thomas-Messe ihr eigenes Gepräge. Inzwischen gibt es aus dem Finnischen übertragene neue Lieder, die eigens für die Thomas-Messe geschrieben worden sind.

Auf die Frage nach der Besonderheit der Thomas-Messe antwortet einer der Initiatoren: „Wir haben uns in einer Gruppe von Menschen mit sehr verschiedenen Frömmigkeitstilen mit dem Gottesdienst beschäftigt. So wurde die Thomas-Messe eine Feier, die von allen innerlich und äußerlich mitgetragen wird. Ich glaube, dieses Miteinander ist das Geheimnis der Messe.“

Die Thomas-Messe beansprucht nicht, die neue Form des Gottesdienstes zu sein. Aber sie ist eine Form, die besonders Menschen erreicht, die sich sonst in Gottesdiensten nicht (mehr) zu Hause fühlen; die zu den „treuen Kirchenfernen“ gehören, aber religiös ansprechbar geblieben sind und danach suchen, was Kirche auf dem „Marktplatz der Moderne“ anzubieten hat.

Rolf Sturm, © www.thomasmesse-iserlohn.de



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